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Erhard Burri |
Proparis bündelt die Interessen von 14 Gemeinschaftskassen für 100.000 Versicherte, darunter Schreiner, Fahrradmechaniker und Coiffeure. Sie ist Broker, Entwickler, Wissensplattform, Rechtsdienst und Lobbying-Organisation in einem.
Fragen: Andreas Valda
Antworten: Erhard Burri, Chef von Proparis
spn: Unter Gemeinschaftseinrichtungen findet man Kraut und Rüben. Ist Proparis eine Gemeinschaftsstiftung?
Erhard Burri: Nicht in allen Bereichen. Wir sind ein Unikat. Wir sind selber eine Stiftung, aber wir vertreten 14 Vorsorgewerke gegenüber den Rückversicherungen und der Öffentlichkeit, die erst durch uns Rechtspersönlichkeit erhalten. Alle zentral lösbaren Aufgaben übernimmt die Proparis. Wir handeln die Grundverträge aus, unterstützen die Koordination in der Administration unserer Durchführungsstellen zwischen der ersten und zweiten Säule und helfen den Pensionskassen bei zentralen Aufgaben, etwa bei Rechtsfragen und Informatik. Die 14 Kassen betreuen alle Arbeiten im Kontakt mit Versicherten und Unternehmen und sind finanziell eigenständig.
spn: Machen wir ein Beispiel. Werden Versicherungsausweise zentral gedruckt und versandt?
Burri: Nein. Wir bieten in Zusammenarbeit mit Dritten das Informatik-System dazu an. Gedruckt und verschickt werden die Ausweise dezentral mit dem Briefkopf der jeweiligen Kasse. Wir bleiben im Hintergrund und werden von den Versicherten im Idealfall nicht wahrgenommen.
spn: Gibt es Benchmarks bezüglich Performance, Grösse, Leistungen, Risikofähigkeit, Deckungsgrad, Kosten und Organisation?
Erhard Burri: Nein, wir sind nach den meisten Kriterien eben ein Unikat und definieren unsere Benchmarks selber.
spn: Wer sind die wichtigsten Konkurrenten?
Burri: Die Sankt Galler Asga, die Luzerner PKG und die Zurich, seit sie 2006 aus dem Versicherungspool ausgetreten ist.
spn: Proparis-Kassen verwalten 4 Milliarden Franken Kapital. Davon werden nur rund 130 Millionen Franken selber verwaltet. Wie kommt es, dass eine Gemeinschaftsstiftung des Gewerbes über 90 Prozent des Kapitals bei Lebensversicherern angelegt hat?
Burri: Seit der Gründung vor 51 Jahren arbeiten wir mit einem Pool von Lebensversicherern zusammen. Davor waren es sechs. Zurzeit sind es Axa Winterthur, Swisslife, Basler und National. Erstere beiden halten je gut 40 Prozent der rückversicherten Summe, wobei Swisslife den Pool führt und Axa das operative Geschäft verantwortet. Bei uns geht Sicherheit eben vor Risiko.
spn: Lebensversicherer haben den Ruf, hohe Kosten zu verrechnen und wenig Gewinn auszuzahlen. Handeln Sie glaubwürdig?
Burri: Wir erreichten im Jahr 2007 Verwaltungskosten von 233 Franken pro Versicherten. Ein Jahr zuvor waren es 219 Franken. Von den Verwaltungskosten geht rund ein Drittel an die Versicherer. Wir sind mit diesen Werten sicher konkurrenzfähig.
spn: Also wesentlich weniger als die bekannten 500 bis 800 Franken je Versicherten. Wie haben Sie das geschafft?
Burri: Zum einen pflegen wir eine langjährige Partnerschaft. Dies führt zu tieferen Kosten. Zum anderen praktizieren die Lebensversicherer gegenüber uns volle Transparenz. Wir sehen detailliert in die für uns geführte Ertrags- und Aufwandsrechnung und können darauf Einfluss nehmen.
spn: Wie lange laufen die Basisverträge?
Burri: Früher fünf, jetzt drei Jahre. Die aktuellen Verträge laufen von 2007 bis 2009. Mitte dieses Jahres beginnen wir also bereits wieder mit den Verhandlungen.
spn: 2006 betrug die Verzinsung des Sparkapitals 2,9 Prozent. Autonome Pensionskassen erreichten weit höhere Werte. Entgeht Ihren Versicherten durch die Versicherungslösung nicht viel zu viel Ertrag und damit Alterskapital?
Burri: Sicherheit hat oberste Priorität. Sie hat aber auch ihren Preis. In guten Börsenjahren sind wir im Nachteil. In schlechten fahren wir dafür besser als der Durchschnitt. 2007 erreichten wir eine Verzinsung von gut 3 Prozent.
spn: 2006 erreichten Sie mit dem selbstverwalteten Vermögen von 131 Millionen Franken eine Rendite von knapp 15 Prozent. Sie hätten in einem Jahr so viel Rendite verdienen können wie mit dem Versicherungsmodell in fünf Jahren!
Burri: Der Vertrag sieht vor, dass wir die eigenen Anlagen aus gebundenen Mitteln von 10 auf 30 Prozent erhöhen dürfen. Jetzt sind wir daran, diesen Anteil zu erhöhen. Dazu braucht es auch genügend Wertschwankungsreserve. Dieser Entscheid liegt aber nicht bei der Zentrale, sondern bei den Stiftungsräten jedes Vorsorgewerks.
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