Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Einfluss hin, Einfluss her
Veröffentlicht am:  10. April 2008

Aktiv Einfluss ausüben lohne sich nicht, die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Intervention sei einfach zu klein. So lautet das Resultat einer Studie des Zentrums für nachhaltige Unternehmens- und Wirtschaftspolitik an der Universität Zürich aus dem Jahr 2006, die die Wirksamkeit der Wahrnehmung von Aktionärsrechten untersuchte. Begründet wurde dies vor allem mit der Notwendigkeit und den zu hohen Kosten von Koalitionen zur Ausübung der Stimmrechte. Denn Koalitionen seien deshalb nötig, weil auch Pensionskassen diversifizieren und deswegen nur sehr kleine Anteile von einzelnen Unternehmen halten. Kurzum: Nur Nichtstun sei logisch.

Doch lohnt sich aktiv Einfluss ausüben wirklich nicht?

Erstens: Es gibt spezialisierte Unternehmen, die solche Arbeiten im Auftrag von Pensionskassen übernehmen.

Zweitens: Gut geführte Unternehmen, die eine aktive Stimmrechtsausübung betreiben, liefern im Branchenvergleich mittel- und längerfristig eine höhere Rendite, zeitgleich sind deren Jahresergebnisse weniger volatil – so lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie des britischen Versicherungsverbandes Association of British Insurers.

Und nicht zu vergessen, drittens: Das Argument, die Kosten einer aktiven Stimmrechtswahrnehmung seien zu hoch, sticht nicht. Wie Ethos-Präsident Dominique Biedermann im spn-Interview vorrechnet, kostet dieser Service bei einer Pensionskasse mit 1.000 Versicherten lediglich rund 8,50 Franken pro Versicherten und Jahr, bei grossen Kassen sogar weniger als einen Franken.

Deswegen wird es Zeit, aktiv Einfluss auszuüben. Zudem muss dringend die Frage diskutiert werden, ob es sich institutionelle Investoren überhaupt leisten können, keinen aktiven Einfluss auszuüben, gerade wenn sie treuhänderisch Vermögen verwalten?

Natürlich nicht! Es ist geradezu ihre treuhänderische Pflicht, vor allem wenn institutionelle Investoren sehen, wie Unternehmen – der Fall UBS lässt grüssen – Milliarden verbrennen, indem sie etwa in Finanzprodukte investieren, die offensichtlich völlig falsch konstruiert sind, oder wenn Boni gezahlt werden, die nur der kurzfristigen Nutzenmaximierung Einzelner dienen und die gerade nicht auf die Steigerung des langfristigen Unternehmenswertes ausgerichtet sind.

Stopp! Nein, in derartigen Fällen muss sogar die rote Karte gezeigt werden.

Es stimmt: Wer aktiv Einfluss ausübt, kann verlieren. Aber wer nicht aktiv Einfluss ausübt, hat schon verloren!

Herzlichst, Ihr

Michael Lennert, Redaktor



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