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Dr. Michael Dober, Pensionskasse Coop, Vorsitzender der Geschäftsleitung |
Den turbulenten Aktienmärkten versagt Dr. Michael Dober seine Aufmerksamkeit derzeit nicht. „Wir können uns Zukäufe vorstellen, wenn der Kursverfall den Wert unseres Aktienportfolios zwei oder drei Prozent unter die Zielquote drückt“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Pensionskasse (PK) der Coop-Gruppe. Möglicherweise wird das gar nicht mehr so lange dauern, denn Ende 2007 hatte die PK Coop eine Aktienquote von 26,4 Prozent. Zum Gesprächszeitpunkt Mitte März waren es schon leicht weniger als die 25 Prozent, die als strategische Zielquote gelten. „Natürlich habe ich keine Freude an den Kursentwicklungen, aber wir sind ein langfristiger Investor“, stellt Dober fest. Und ein Abbau der Aktienquote wäre zum jetzigen Zeitpunkt ungeschickt. Allerdings glaubt er nicht mehr daran, dass 2008 ein sehr gutes Jahr wird.
Immerhin ist 2007 in trockenen Tüchern. Die Rendite der Kasse erreichte im Quervergleich zu anderen Pensionskassen sehr gute 4,7 Prozent nach 5,7 Prozent im Jahr 2006. Vor allem Aktien bremsten die Performance, brachten aber immerhin noch 7,8 nach 15,9 Prozent im Vorjahr ein. Insgesamt erzielte man beim Wertschriftenvermögen einen Renditerückgang auf 4,7 von 6,1 Prozent. Die Kasse hat 49.000 Versicherte, davon 32.700 Beitragszahler und 16.300 Rentner.
2007 wurde die Zahl der Aktienmandate gesenkt
Das vergangene Jahr stand im Zeichen mehrerer Projekte. Zum einen wurde im Aktienbereich die Zahl der vergebenen Mandate deutlich verkleinert. Daneben wurde der Fokus neu auf grösstenteils passive und Enhanced-Mandate verlagert. Hoffnungsvolle Satellites wie Rohstoffaktien ergänzen die Kernpositionen. Ausserdem wurde der Ausbau der internationalen Immobilien-Investments weiter vorangetrieben. Ende 2007 lag der Portfolioanteil bei 1,5 Prozent, das strategische Ziel sind 3 Prozent. Dober zeigte sich zufrieden mit dem Aufbauprozess, der inhouse gemanagt wurde. Anfangs gab es eine sehr breite fragebogengestützte Evaluation der Anbieter, dann schlossen sich Gesprächsrunden mit einer Auswahl derselben an. Die Kasse fokussiert sich im Ausland auf indirekte Anlagen in Gewerbeliegenschaften, anders als in der Schweiz, wo der Fokus auf direkt gehaltenen Wohnimmobilien liegt. Im laufenden Jahr steht der weitere Ausbau der ausländischen Investments auf der Agenda. In Asien wurde bereits investiert, Nordamerika ist dagegen noch offen. „Wir glauben, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt ist, um dort einzusteigen“, meint Dober.
Doch für drei anstehende grosse Vorhaben struktureller Art ist die Zeit gekommen. Zum einen reduzierte die Kasse den technischen Zins per Ende 2007 von 4 auf 3,5 Prozent. „Die Umsetzung dieser Angelegenheit wird uns noch weiter in Anspruch nehmen“, stellt Dober fest. Er begründet den Entscheid unter anderem damit, dass man die aktiven Versicherten gegenüber den Rentnern nicht mehr habe benachteiligen wollen. Die nun gewählte Höhe des technischen Zinssatzes sieht er als langfristig angemessene Lösung an.
Zum zweiten steht die Erstellung einer neuen Asset-Liability-Studie ins Haus. Auf deren Grundlage soll dann auch die Anlagestrategie überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Die Ergebnisse der ALM-Studie wird der Verwaltungsrat Ende April diskutieren. Per Juni oder per September könnte dann die neue Anlagestrategie beschlossen werden. Eine Anpassung des Anlagereglements ist die formale Folge. Und drittens, nicht nur als logisch möglicher Ausfluss der ALM-Studie, möchte man die Investment-Klasse alternative Anlagen überprüfen und Möglichkeiten verstärkter oder veränderter Aktivitäten in diesem Bereich eruieren.

Abbildung 1: Entwicklung Vorsorgekapital; Quelle: Pensionskasse Coop.
Strukturreform
Dober nennt auch einige über das absehbare Tagesgeschäft hinausreichende Entwicklungen und Überlegungen, die derzeit das Management der PK Coop beschäftigen. Dazu gehören unter anderem die noch ausstehenden Ergebnisse der eidgenössischen Strukturreform. Doch wesentlich spezifischer ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Kasse Gedanken zu ihrer Rechtsform macht. „Längerfristig wird die Frage der Rechtsform kommen“, sagt Dober. Derzeit ist die Kasse nämlich noch eine der wenigen, die als Genossenschaft geführt werden. Und mit Blick in die Zukunft überlegt man sich auch, ob man nicht den Kreis auftun solle für die Aufnahme weiterer interessierter Firmen. Allerdings –, spruchreif ist nichts hinsichtlich dieser Themen. Wesentlich konkretere Gedanken macht man sich über das 100-jährige Jubiläum, das im kommenden Jahr ansteht. Die PK Coop gehört nämlich zu den ältesten Vorsorgeeinrichtungen der Schweiz.
Seit Dober Ende 2004 die Leitung der CPV/CAP übernommen hat, wurde nach der Überarbeitung der Anlagestrategie die Asset Allocation vollständig überarbeitet. So trennte man sich seitdem von einem grösseren Fremdwährungsmandat, das lediglich schlechte Erfahrungen zurückliess, und führte ein intern gemanagtes Währungsoverlay ein. Dann stand die Neustrukturierung des ganzen Obligationen-Portfolios im Vordergrund, das komplett neu ausgeschrieben wurde. Es gab zu viele kleine Mandate, die halbaktiv oder aktiv gemanagt wurden. „Wir sind sicher stärker in Richtung passive Anlagen gegangen“, stellt Dober fest. Mittlerweile stellen Obligationen 35,7 Prozent des Portfolios, wobei Franken-Oblis 14,8 Prozent Anteil haben. Neben einem grossen passiven Mandat existieren im Fremdwährungsbereich ein Enhanced-Mandat mit erhöhtem Tracking Error und ein aktives Mandat. Dabei kommen auch Derivate zum Einsatz: Sie werden in einem grossen Fremdwährungs-Obligationenmandat verwendet, um die Duration und das Rating zu steuern. Der aktiv investierte Anteil im ganzen Obligationen-Portfolio liegt bei etwa 200 Millionen Franken.
Neue Strategie, neues Glück
Auch bei den Aktien-Investments ist man jetzt breiter aufgestellt – und passiver – als damals. Gemäss Dober ist die aktuelle strategische Zielquote für Aktien eher tief. Es wirke sich immer noch aus, dass die neue Strategie in Zeiten einer geringen Risikofähigkeit und bestehenden Unterdeckung der Kasse definiert wurde. Immerhin, diese sind vorbei. Der Deckungsgrad wäre 2007 sogar auf 111,3 Prozent gestiegen, wenn man keine Reduktion des technischen Zinses beschlossen hätte. So blieben jedoch „nur“ 108,5 nach 109,8 Prozent Deckungsgrad übrig. Wie bei den Obligationen zerfällt das Aktienportfolio in unterschiedliche Management-Ansätze. Beim Enhanced-Mandat lautet die Vorgabe für den Tracking Error auf maximal 1,5 Prozent, bei den aktiven Mandaten dürfen es sogar bis zu 8 Prozent sein. Davon sind grössere Positionen betroffen. Denn Aktien Ausland machen 18,6 Prozent des Kassenportfolios aus, und davon wird rund ein Drittel aktiv gemanagt. Die angestrebte Information Ratio liegt überall bei 0,5. Das hohe Gewicht ausländischer Aktien begründet Dober mit dem Bedarf nach Diversifikation. Das Portfolio sollte weltweit angelegt werden. Mit etwas mehr Home Bias wäre man im Gegensatz zu 2007 zwar 2005 und 2006 besser gefahren, meint er. Doch auch mit der aktuellen Konstellation hätten Schweizer Aktien im Gesamtportfolio ein Übergewicht.
Immobilien: selbstverwaltete Hoffnungsträger
In Eigenregie verwaltet die Kasse Mandate bei Obligationen Ausland, Aktien Schweiz und Ausland sowie den Währungsoverlays. In jeder Anlageklasse beläuft sich der Wert der selbstverwalteten Mandate auf rund 200 Millionen Franken. Allerdings werden auch die Schweizer Immobilien – immerhin 22,6 Prozent des Portfolios – komplett selbst gesteuert. Bis hin zur Verwaltung geht das in Basel, in anderen Landesteilen arbeitet man mit externen Liegenschaftsverwaltern zusammen. Auf externe Leistungserbringer greift man auch bei den anderen Anlageklassen zurück. Die Vergütung läuft vor allem bei den aktiv verwalteten Mandaten auf Performance-Basis, doch bei den passiven Mandaten ist das in der Regel nicht der Fall.
Im derzeitigen Marktumfeld sind die Immobilien die Hoffnungsträger – sie generieren stabile Erträge. Mit Blick auf die Alternativanlagen, die bei Coop immerhin 8,2 Prozent des Portfolios stellen, sieht Dober weiteren Klärungsbedarf. Die Zukunft bezüglich der Wertentwicklung dieser Vehikel muss im Auge behalten werden. „Unsere Hoffnung ist, dass die Krise an den Finanzmärkten bald ausgestanden ist“, meint er. Zudem haben im vergangenen Jahr Währungseffekte die alternative Performance egalisiert – in Franken blieben noch 0,6 Prozent übrig. In Dollar waren dagegen sechs bis zwölf Prozent zu erleben. Die Währungsabsicherung erfolgt über eine selbst gemanagte Overlay-Struktur. Was die strategische Fremdwährungsquote von 20 Prozent übersteigt, wird gehedgt. Allerdings nicht ganz im Verhältnis 1:1, sondern nach Massgaben eines vordefinierten Baskets.
Alpha bei Rohstoffaktien, Interesse an Infrastruktur
Ein Zückerchen im Portfolio waren indessen Rohstoffe. Allerdings investiert man hier nicht in Commodities, sondern geht ein bewusstes Übergewicht in Aktien von Rohstoff-Unternehmen ein. Die bisherige Performance des aktiv gemanagten Mandats gibt der PK recht, Alpha liegt hier in der Luft, über mehrere Jahre hinweg. Mit Blick auf die Anlageklasse Infrastruktur gab es intensive Gespräche und ein erstes kleines Engagement in einem nichtkotierten europäischen Infrastrukturfonds, dessen Selektion in Eigenregie erfolgte. Möglicherweise könnte im Zuge der Definition der neuen Anlagestrategie eine gewisse Infrastrukturquote vorgesehen werden, die den alternativen Anlagen zuzurechnen wäre, lässt Dober durchblicken, ohne den Beschlüssen der Entscheidungsgremien vorgreifen zu wollen. Strukturierte Produkte sind dagegen kein Thema für die PK Coop. Und bezüglich Währungen verweist er auf das aktiv gehandelte Overlay, das ja eine gewisse Investment-Komponente darstelle.

Abbildung 2: Grafik Gesamtperformance; Quelle: Pensionskasse Coop.
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