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Bernhard Raos, Redaktor |
In den Wertschriftendepots von Schweizer Banken lagen per Ende September 2007 rund 363 Milliarden Franken in strukturierten Produkten. Kein anderes Land hat einen stärkeren Markt. Vor allem Privatanleger sorgen für den Boom. Auch in der privaten Vorsorge der dritten Säule sind mehrere institutionelle Anbieter ins Geschäft mit den Strukturierten eingestiegen – allerdings mit engen Leitplanken und vollem Kapitalschutz, wie die Titelgeschichte von spn beschreibt.
Was Privatanlegern billig ist, sollte auch den Pensionskassen recht sein. Doch bis heute bestehen noch keine
speziell auf die Leistungsverpflichtung von Vorsorgeeinrichtungen abgestimmten strukturierten Produkte. Einerseits haben Pensionskassen aufgrund ihres Anlagevermögens grössere Möglichkeiten, ihre Strategie mit massgeschneiderten Derivaten gezielter und kostengünstiger umzusetzen. Andererseits führt die Komplexität vieler strukturierter Produkte dazu, dass Vorsorgeeinrichtungen bisher darauf verzichten.
Und: Die Preistransparenz ist in diesem Markt gering, was unabhängige Experten wie der Sankt Galler Finanz-Professor Manuel Ammann kritisieren: „Verschiedene Forschungsarbeiten haben die Bewertung der angebotenen strukturierten Produkte untersucht und bisweilen grosse Diskrepanzen zwischen dem Preis eines strukturierten Produkts und den Kosten seiner Replikation festgestellt.“
Was aber nicht gegen strukturierte Produkte in der Vorsorge spricht, sondern gegen zu hohe Margen der Anbieter. Zur Absicherung von Anlagerisiken steht bereits eine Vielzahl von reinen Kapitalschutzprodukten zur Verfügung. Für Pensionskassen mit ihren langfristigen Verpflichtungen sind allerdings die meist viel zu kurzen Laufzeiten ein Hindernis. Wie Schweizer Pensionskassen strukturierte Produkte einsetzen, untersuchen wir deswegen im Detail in einer der nächsten Ausgaben von spn.
Auch das Bundesamt für Privatversicherung als Aufsichtsbehörde ist gefordert. So können beispielsweise nach den geltenden Richtlinien aus dem Jahr 2006 derzeit noch keine Kreditderivate dem gebundenen Vermögen zugewiesen werden. Bern will dazu die Bedingungen erst festlegen. Für die private Vorsorge in der Säule 3a wurde ein enges Korsett geschneidert. Schon heute besteht für ein strukturiertes Produkt als Ganzes – wenn es also nicht zerlegt in seine Komponenten der entsprechenden Anlagekategorie angerechnet wird – ein Kapitalschutz von mindestens 90 Prozent des Kaufpreises. Strukturierte Produkte sollen ja das Risiko mindern und nicht verstärken.
Herzlichst, Ihr
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