Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Von Chancen und Risiken

Michael Lennert, Redaktor

Veröffentlicht am:  02. Dezember 2007

Kennen Sie das? Ein komplexes Thema, vier Experten, fünf Experten-Meinungen, viele Aspekte, zeitweise diametrale An-nahmen, Konzepte und Ideen: Unter diesen Voraussetzungen eine fundierte Bewertung abzugeben und diese auch noch schriftlich zu fixieren, das kann einem schon Kopfzerbrechen bereiten.

Doch wie stark muss sich erst ein Stiftungsrat den Kopf zerbrechen, wenn er sich nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis mit einer komplizierten Materie auseinandersetzen muss? So wie beim Asset Liability Management, einem der vielschichtigsten Themenkomplexe beim treuhänderisch verwalteten Vermögen.

Dass der Stiftungsrat hierbei nicht zu beneiden ist, steht eindeutig fest. Zum einen, weil er es in zu vielen Fällen leider noch selbst versäumt, die Leistungsziele der Pensionskassen exakt zu definieren. Zum anderen aber auch, weil es beim Asset Liability Management von gegensätzlichen Experten-Meinungen nur so wimmelt. Bei derart unterschiedlichen Auffassungen ist selbst der kompetenteste Stiftungsrat überfordert.

So sind sich die Experten weder einig, wie hoch etwa der technische Zinssatz sein sollte, ob technische Parameter der Vergangenheit angehören oder ob es nicht gleich besser sei, ökonomische Parameter zu verwenden. Noch darüber, was wichtiger ist: eine statische oder eine dynamische Betrachtung?

Der einzige Trost: Alle sind sich einig, dass Risikomanagement zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Risikomanagement ist in unseren Zeiten jedoch immer noch fast das Gleiche wie Verlustmanagement. Doch auch Risiko hat zwei Seiten – und deshalb wird es Zeit, manche sagen, höchste Zeit, sich auch der anderen Seite des Risikos zu widmen: dem Chancenmanagement. Das muss auch für den Stiftungsrat gelten.

Apropos Chancenmanagement: Der deutsche Altkanzler Helmut Kohl prophezeit den Schweizern die baldige Einführung des Euros: „Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte und ich erinnere mich noch gut an die vielen Skeptiker, die damals von Eurosklerose sprachen“, sagte er kürzlich auf einer Konferenz in Frankfurt. Und weiter: „Ich bin mir sicher, dass man in 15, spätestens aber in 20 Jahren in Zürich mit Euro zahlen kann. Wieso? Weil die Schweizer rechnen können. Sie werden zunächst mehrere Male abstimmen – und bei der dritten Abstimmung werden sie sich für den Euro entscheiden.“

Bleibt nur noch die Frage, ob das jetzt eine Chance oder ein Risiko ist?

Herzlichst, Ihr

Michael Lennert, Redaktor.



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