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Der EZB wird keine Wahl bleiben, als dem US-Beispiel zu folgen und die Staatsschulden zu monetarisieren

Der Euro wird mich lange überleben“, sagte Ottmar Issing, der grosse alte Mann deutscher und europäischer Geldpolitik, im Juli der Frankfurter Allgemeinen. Nun, jede Währung basiert auf Vertrauen, und so gehört Zweckoptimismus für einfache Geld- und Fiskalpolitiker zum guten Ton. Wenn aber nun selbst Issing, qua Sachkunde und Renommee in einer anderen Liga spielend, sich hierzu herablassen muss, dann stehen die Zeichen wirklich auf Sturm.

Wer Europa mit offenen Augen bereist, konnte die wesentlichen Ursachen der Krise über Jahre beobachten: Portugal und Spanien wurden von der OECD noch bis 1991, Griechenland bis 1999 als Schwellenländer geführt. Im digitalen Zeitalter dürfte der technologisch-industrielle Rückstand dieser Länder auf Deutschland kaum geringer geworden sein. Doch erst kamen EU-Hilfen aus allen möglichen Brüsseler Töpfen, nach der Pathogenese des Euro dann das billige Geld der Kapitalmärkte. Binnen weniger Dekaden entwickelten die südeuropäischen Schwellenländer einen auf geliehenem Import, Ressourcenfehlallokation und Wahlgeschenken gegründeten Lebensstandard nahezu mitteleuropäischen Niveaus, dem keine adäquate industrielle Basis gegenübersteht.

Ordnungspolitisch sauber wäre nur, die von der Droge des billigen Geldes dröge und anspruchsvoll gewordenen Ökonomien auf Entzug zu setzen und über Verluste auch die Märkte ihre Lektion lernen zu lassen. Faktisch ist das aber nicht durchsetzbar (sind doch die Summen ebenso gigantisch wie der politische Widerstand), schon gar nicht von den Deutschen, die auf dem europäischen Parkett der harten Bandagen mit einem Personal antreten, dessen mangelndes Durchsetzungsvermögen sich schon in seinem physiognomischen Erscheinungsbild widerspiegelt. Aber die Strategie, Nord- und Mitteleuropäer dauerhaft Schulden und Lebensstandard Südeuropas finanzieren zu lassen, wird auch nicht verfangen. Jeder Institutionelle weiss, dass am Ende selbst Musterknabe Deutschland seine Schulden niemals zurückzahlen wird, sondern bestenfalls immer wieder wird refinanzieren können. Liegt die offizielle Staatsverschuldung aller Haushalte des teutonischen Super-Pigs bei knapp zwei Billionen Euro, sind es bei Einbeziehung der weitestgehend ungedeckten Pensionslasten implizit gut sieben Billionen (diese Zahl nannte der wohlweislich zurückgetretene Bundespräsident Horst Köhler schon 2005). Jede Art deutsch-europäischer Patronatserklärung bringt also keine Lösung, sondern nur Zeitgewinn bis zum Tag X des ultimativen State Runs. Dass nun Italien und Spanien unter Druck geraten, spricht dafür, dass wir uns möglicherweise diesem finalen Akt des Dramas nähern.

Der Autor prognostiziert seit einem Jahr: Einziger Ausweg ist Quantitative Easing im ganz grossen Stil. Zwar neue Fehlanreize setzend und ordnungspolitisch alles zerstörend, was uns heilig ist, doch Ben Bernanke hat es vorgemacht und wird es weiter tun. Sein Motiv ist dabei nicht, die Wirtschaft zu stimulieren, sondern einzig und allein die Phase der Niedriginflation zu nutzen, um Staatsschulden für immer in den Fed-Kellern verschwinden und die Zins-zahlungen darauf als Notenbankgewinn umgehend dem Finanzministerium zurückzugeben. Und sollte das neue Zentralbankgeld doch irgendwann zur Inflation führen – was wegen des faktischen Cash-Charakters von Govies nicht ausgemacht ist –, kann er das überschüssige Geld mit simplen Zinserhöhungen wieder vom Markt nehmen. Ausserdem: Mit Politik, Banken, Versicherungen und Pensions-einrichtungen gibt es keinen relevanten Akteur, dessen strategischen Interessen QE zuwiderläuft. Dem scheint die EZB nun zu folgen. Für Institutionelle heisst das: Asset Inflation und Vola bleiben wohl hoch, aber spätere Leitzinserhöhungen sollte man mittelfristig auf der Rechnung haben.